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Call for Papers: Gefühlskulturen

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Call for Paper, Conferences, Deutsch, GCSC

Gemeinsam mit Beatrice Michaelis und Kai Sicks organisiere ich im Herbst eine Tagung am GCSC zum Konzept „Gefühlskulturen“. Wir freuen uns auf Proposals bis zum 1. Juni 2012. Keynotes werden u.a. von Claudia Benthien, Isabel Gil und Tilmann Habermas gehalten.

Call for Paper…
Gefühlskulturen. Narrative und Kontexte

Internationale Konferenz.
Organisiert durch das European PhD-Network „Literary and Cultural Studies“ (PhDnet) und das International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC)

Justus-Liebig-Universität Gießen
7.-9. November 2012

Seit jeher versetzen literarische, filmische und dramatische Narrative ihre Figuren in fiktionale Experimentalräume, entwerfen so exemplarische kulturelle Konflikte und durchdenken sie hinsichtlich ihrer Aporien und Lösungsmöglichkeiten. Gleichermaßen entwerfen faktuale Narrative – Nachrichten-, Geschichts-, Alltagserzählungen etc. – prototypische Konflikte zwischen Akteur/innen und kulturellen Strukturen. In beiden Fällen sind es oft die Gefühle von erzählten Figuren, die mit kulturellen und sozialen Regimen konfrontiert werden: Einerseits sind Gefühle das Produkt solcher Regime und aufs engste mit ihren Regelungen verbunden (dies betrifft schon die Möglichkeiten der Artikulation von Gefühlen), andererseits richten sich Gefühle nicht selten gerade gegen ihr ‚Außen‘, erscheint letzteres als das Gefühl einengend und normierend. Auf der geplanten Tagung ist beabsichtigt, fiktionale und faktuale Narrative mit Blick auf das Erzählen von Gefühlen zu untersuchen. Im Mittelpunkt sollen dabei die Aushandlungsprozesse zwischen Gefühlen und den ‚Gefühlskulturen‘ stehen, in die sie eingelagert sind und zu deren Konstitution sie beitragen. Zu fragen ist nicht zuletzt nach der analytischen und theoretischen Tragfähigkeit des erst ansatzweise eingeführten Konzepts der ‚Gefühlskultur‘.

Mit dem Begriff ‚Gefühlskultur‘ soll hier die Annahme ausgedrückt werden, dass Gefühle historisch und kulturell jeweils verschieden mit Diskursen und Praktiken verbunden sind, in denen ihre Bedeutung, ihre un/angemessenen Orte und Situationen sowie die Modi ihrer Artikulierbarkeit ausgehandelt und reguliert werden. Zugleich verbinden diese Diskurse und Praktiken Gefühle mit geschlechtlichen, religiösen, nationalen und weiteren kulturellen Differenzkriterien. Auch über diese Kopplungen werden Gefühle in die soziale Dynamik der In- und Exklusion integriert und mit Machtbeziehungen verbunden. Fiktionale und faktuale Erzählungen scheinen ein prototypischer Ort zur Reflexion, Hervorbringung oder Dekonstruktion gefühlskultureller Festlegungen zu sein – und tragen ihrerseits durch die Provokation emotionaler Reaktionen zur Gefühlskultur bei. Die Tagung soll dies in grundlegenden theoretischen Überlegungen sowie am Beispiel konkreter Text-Kontext-Analysen thematisieren.

Die Analysen sollen dabei die folgenden oder weitere Fragen diskutieren:

(1) Welche gefühlsbezogenen Konflikte werden in literarischen Texten, in Filmen, Comics, Nachrichten, Alltagserzählungen etc. aufgeworfen? Welche Gefühle werden dabei thematisiert, wie werden sie bestimmt? Geht es um ein Zuwenig oder ein Zuviel an Gefühl? Um die Nicht-Artikulierbarkeit von Gefühlen? Um die Unangemessenheit von Gefühlen in bestimmten sozialen Kontexten?
(2) Wie werden Gefühlskonflikte inszeniert, welche Aporien, Lösungsmöglichkeiten etc. werden aufgezeigt? Welche narrativen Subtexte werden im untersuchten Text aufgegriffen? Lassen sich Figurentypen identifizieren, mit denen historisch übergreifend ähnliche Gefühlskonflikte verbunden sind (der Enthusiast, die Leserin etc.)?
(3) Welche soziale und kulturelle Verortung von Gefühlen wird in den untersuchten Erzählungen vorgenommen (Gender, Religion, Generation usw.)? Wie werden der emotionalen Intensität von Figuren Grenzen gesetzt, welche Kontrollregime werden um sie herum errichtet (z. B. Diskurse des Maßhaltens, der Effizienz, Formen der Medikalisierung etc.)? In welchen Kontexten sind die Gefühle der Figur erlaubt oder gefordert?
(4) Auf welche Weise reflektieren die narrativ inszenierten Konflikte gefühlskulturelle Problemstellungen aus der Entstehungszeit der Narration? Was symbolisiert der Konflikt kulturell und sozial für seine jeweilige Zeit? Welche Funktion hat der Text innerhalb einer umfassenderen Gefühlskultur? Welche Emotionen werden durch die Erzählungen provoziert, auf welche Weise geschieht dies?

Vorträge zu fiktionalen und faktualen Erzählungen aus unterschiedlichen historischen Epochen, insbesondere aber auch vergleichend, sind willkommen. Konferenzsprachen sind Deutsch und Englisch. Bitte senden Sie ein Abstract (300-500 Wörter), 3-5 für Ihren Beitrag relevante Literaturangaben und eine Kurzbiographie bis zum 1.6.2012 an folgende

E-Mail-Adresse: claudia.weber@gcsc.uni-giessen.de.

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